Informationen zur Impfung gegen SARS-CoV-2 bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

Eine Impfung gegen SARS-CoV2 ist für Patienten mit entzündlichen Rheumaformen zu empfehlen.

Siehe hierzu auch eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) vom 10.02.2021 https://dgrh.de/Start/Wissenschaft/Forschung/COVID-19/Impfung-gegen-SARS-CoV-2-f%C3%BCr-Menschen-mit-rheumatischen-Erkrankungen.html)

Entgegen missverständlichen Meldungen in der Presse, im Fernsehen in den letzten Wochen, gibt es keinen Anhalt dafür, dass die aktuell zur Verfügung stehenden Impfungen mit dem Impfstoff der Firma Biontech (mRNA Impfstoff, Handelsname: Comirnaty) und der Firma Moderna (mRNA Impfstoff, Handelsname: COVID-19 Vaccine Moderna), und AstraZeneca (Vektorimpfstoff, Handelsname: COVID-19 Vaccine AstraZeneca) von Rheumapatienten schlechter vertragen werden, zu einem Rheumaschub führen würden, oder dass die Rheumabehandlung mit Immunsuppressiva (z.B. mit Methotrexat, Biologika und Janus-Kinase-Inhibitoren) ein Grund wäre, sich nicht impfen zu lassen. Siehe hierzu eine Pressemeldung der DGRh vom Januar 2021 (https://dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen/2021/Pressemitteilung-Nr.-2-2021.html)

Im Gegenteil, die ständige Impfkommission (STIKO), die den schrittweisen altersabhängigen Ablauf (Priorisierung) der Impfung ausgearbeitet hat, ist der Meinung, dass Rheumapatienten frühzeitig eine Impfung gegen das SARS-CoV-2 Virus erhalten sollen und hat sie der Gruppe mit erhöhter Priorität zugeordnet.

Frühzeitige Impfung für Rheumapatienten möglich, online-Registrierung bei den Impfzentren Bayerns

Patienten mit dem Risikofaktor Autoimmunerkrankungen oder rheumatischen Erkrankungen, dazu gehören Patienten mit chronisch-entzündlichen Rheumaformen, können aufgrund ihrer Diagnose, auch wenn sie jünger als 60 Jahre sind, in der Gruppe 3 (Patienten älter als 60 Jahre) geimpft werden.

Liegen zusätzliche Begleiterkrankungen wie z.B. ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus mit einem HbA1c von > 7,5 % vor, eine interstitielle (fibrosierende) Lungenerkrankung, eine COPD (chronisch obstruktive Atemwegserkrankung, eine chronische Lebererkrankung, eine chronische Nierenerkrankung, ein erhebliches Übergewicht vor, dann werden diese Patienten der Gruppe mit einer hohen Priorität, d.h. der Gruppe von Patienten, die das 70. Lebensjahr vollendet haben oder älter sind, zugeordnet.

Wenn Sie in Bayern wohnhaft sind, suchen Sie die Homepage des Bayerischen Impfzentrums auf https://impfzentren.bayern/citizen/ und starten Sie mit Ihrer Registrierung.

Die aktuell zugelassenen Coronavirus-Impfstoffe sind nebenwirkungsarm und hoch wirksam

Die bisher verfügbaren Daten geben keinen Hinweis darauf, dass die beiden mRNA-Impfstoffe oder der Vektorimpfstoff von AstraZeneca zu mehr oder anderen Nebenwirkungen führen als die Vielzahl der für andere Krankheiten zugelassenen sogenannten Totimpfstoffe. Sicher ist jedoch, dass diese Wirkstoffe, gemessen an den bisher bekannten Impfstoffen, eine hohe Wirksamkeit zeigen. Mit einer Ansprechrate von > 90 % ist entsprechend der neueren Daten aus Großbritannien bei allen 3 Impfstoffen zu rechnen. Inzwischen ist der Vektorimpfstoff von AstraZeneca in Deutschland auch für Patienten über 65 Jahren zugelassen.

Allergien stellen mit Ausnahme einer Allergie gegen Polyethylenglycol oder andere Inhaltsstoffe der mRNA-Impfstoffe, keine Gegenanzeige gegen eine Impfung dar

Ist bei Ihnen eine seltene Allergie gegen Polyethylenglycol (PEG) bekannt, sollten Sie sich nicht mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna (enthalten PEG) impfen lassen. Dies könnte z.B. der Fall sein, wenn Sie in der Vergangenheit eine allergische Reaktion auf das Biologikum Certolizumab (Cimzia) hatten, das ebenfalls PEG als Konservierungsstoff enthält. In diesem Fall sollten Sie vor einer Impfung abklären lassen, ob die Allergie gegen Cimzia auf dem Zusatzstoff PEG beruht. Ist dies der Fall, sollte von einer Impfung mit den beiden mRNA-Impfstoffen Abstand genommen werden. Ansonsten sind bestehende Allergien, soweit sie nicht zum Impfzeitpunkt aktiv sind, kein Grund von der Impfung gegen das Coronavirus abzusehen.

Besteht eine akute Infektion oder Erkrankung, z.B. ein Rheumaschub, sollte der Impftermin verschoben werden, bis die akute Infektion abgeklungen, bzw. ein Rheumaschub ausbehandelt ist.

Schwere Impfreaktionen sind sehr selten, schwere Verläufe der Covid-19 Infektion leider sehr häufig

Das Risiko bei einer Covid-19 Infektion schwer und lebensbedrohlich zu erkranken ist ungleich höher, als eine schwere Impfreaktion zu erleiden. Ersteres (die schwere Erkrankung an dem Coronavirus) liegt im Prozentbereich (> 1:50 Infizierte) und steigt massiv mit dem Lebensalter an, Letzteres, (eine schwere Impfreaktion) liegt bei einer Häufigkeit von ca. 1:10.000 Impfungen nach einer Veröffentlichung des Paul-Ehrlich Instituts.

Verringern Immunsuppressiva wie Methotrexat, Biologika und JAK-Inhibitoren die Impfantwort?

Kann es sein, dass Medikamente, die das Immunsystem hemmen, wie die Biologika, JAK-Inhibitoren und Methotrexat, zu einer schlechteren Immunantwort auf die Corona-Impfung führen? und den Impferfolg damit gefährden?

Diese Frage kann für die verschiedenen Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 noch nicht eindeutig beantwortet werden.

Eine Vielzahl von Impfungen wie gegen Grippe, Lungenentzündung, Gürtelrose, Hepatitis etc. haben jedoch gezeigt, dass unter diesen Medikamenten in der Regel ein ausreichender Impfschutz gegen die jeweilige Erkrankung aufgebaut werden kann.

Eine Ausnahme stellt eine Impfung unter der Behandlung mit dem Medikament Rituximab dar, das nach der Infusion mindestens für ein halbes Jahr zu einer Unterdrückung der B-Zellen, die für die Impfantwort benötigt werden, führt. Unter einer laufenden Rituximab-Behandlung mit halbjährlichen Behandlungsintervallen ist daher von einer Impfung abzusehen. Für eine Impfung sollte abgewartet werden, bis die im Blut messbaren B-Zellen wieder in einen Bereich ansteigen, der eine Impfantwort erwarten lässt.

In den meisten Fällen haben wir die Behandlung mit Rituximab bei unseren Patienten schon bei Beginn der Pandemie nicht weitergeführt, und auf ein anderes Therapie-Prinzip gewechselt, soweit dies ohne eine Verschlechterung der Krankheitsaktivität möglich war. Insgesamt ist eine Impfung mit den mRNA-Impfstoffen und dem bisher zugelassenen Vektorimpstoff auch unter Medikamenten, die das Immunsystem hemmen als sicher einzuschätzen und dürfte analog zu anderen Impfungen zu einer ausreichenden Impfantwort (s.o. Ausnahme Rituximab), zu einem ausreichenden Schutz vor einer Covid-19 Infektion führen.

Abschließen empfehlen wir, lassen Sie sich so bald wie möglich impfen und melden Sie sich bei den Impfzentren Bayerns an (s.o.)!